Manuel Westphal MdL
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Presse
21.02.2019, 09:51 Uhr | Abgeordnetenbüro
Wie kann Inklusion gelingen?
Gesprächsrunde mit dem Landtagsabgeordneten
Während eines Austauschtreffens von Kindergartenleitungen im vergangenen Frühjahr kam der Wunsch nach einer ähnlichen Gesprächsrunde zum Thema Inklusion auf. Der Stimmkreisabgeordnete für den Bayerischen Landtag Manuel Westphal nahm diesen Vorschlag gerne an und brachte verschiedene Akteure an einen Tisch, die Inklusion begleiten und fördern. Da die Initiative des Treffens vor allem auch von der Leiterin des Kinder- und Familienzentrums Wilhelm Löhe (KiFaZ) Diana Leickert ausging, fand die Runde im Lutherhaus in Gunzenhausen statt.
Das Thema Inklusion hat viele Gesichter, Herangehensweisen, Lösungsansätze und auch Akteure. „Jedem von uns begegnet Inklusion. Nur sehen wir oft nicht genau genug hin, um zu erkennen, was eigentlich dahintersteckt. Damit uns Inklusion mit ihren vielen Herangehensweisen gelingen kann, muss sie in jedem Lebensbereich eine Rolle spielen. Der Beginn wird oft in den Kindertagesstätten gesetzt. Damit die Inklusion dort aber funktionieren kann, sind die Rahmenbedingungen wichtig. Um diese zu diskutieren und kennenzulernen, habe ich das Austauschtreffen initiiert“, verdeutlichte Westphal.

Dem Landtagsabgeordneten Manuel Westphal war es ein wichtiges Anliegen am Beispiel des Kinder- und Familienzentrums Wilhelm Löhe (KiFaZ) einen gemeinsamen Ansatz zu finden, um das Thema Inklusion in Kindertageseinrichtungen zu beleuchten. Seit vielen Jahren wird im KiFaZ Inklusion gelebt. Einrichtungsleitung Diana Leickert schilderte zu Beginn der Runde ihre Erfahrungen beim Thema Inklusion. In Gunzenhausen war man Vorreiter und hat die evangelische Einrichtung zu einem inklusiven Kinder- und Familienzentrum weiterentwickelt. „Unser Ziel ist es, jedem Kind individuell Leben innerhalb der Gesellschaft zu ermöglichen. In unseren Gruppen lernen die Kinder voneinander und begegnen sich auf einer Ebene. Damit dies gelingen kann, sind wir vor allem auf personelle Ressourcenzuweisungen angewiesen, die wir über die Eingliederungshilfe des Bezirks Mittelfranken erhalten“, erklärte Leickert zu Beginn des Gesprächs.

Die Eltern der betroffenen Kinder müssen selbst einen Antrag zur Eingliederungshilfe beim Bezirk stellen. „Wir können dabei nur unterstützen. Das Antragsverfahren ist sehr kompliziert und für die Familien oft nicht einfach, da in diesem Moment klar definiert wird, dass das eigene Kind Einschränkungen hat. Der Umgang damit fällt den Eltern oft sehr schwer. Wird kein Antrag aus Angst vor den Folgen einer solchen, ärztlich festgestellten Einschränkung gestellt, bleibt es der Einrichtung überlassen, ob das Kind trotzdem aufgenommen wird – allerdings ohne zusätzliche personelle Unterstützungsleistung. Neben dem Recht eines Kindes auf individuelle Entwicklungsbegleitung, Bildung und Schutz und dem Recht auf einen Kitaplatz können das nicht die angedachten Konsequenzen sein und widersprechen letztlich auch der Grundidee der Inklusion“, führte Leickert weiter aus.

Der Bezirk hat die Problematik bereits erfasst und die Situation in Teilen entschärft: „Im Rahmen eines vereinfachten Verwaltungsverfahrens kann vom Bezirk Mittelfranken ein Entgelt basierend auf zehn Fachdienststunden bewilligt werden. Dabei reicht das Attest eines Kinderarztes aus“, erklärte Klaus Zander als Vertreter des Bezirks. Auch der Integrationsbeauftragte des Bezirks Lothar Baumüller hat an der Inklusionsrunde teilgenommen.

Weiterhin sei es für die Einrichtungen aufgrund des teilweise langen Antragsverfahrens oft schwer zu kalkulieren, welche Betreuungsleistungen vorgehalten werden müssen. Auch hier sieht Leickert und auch Dekan Klaus Mendel als Vertreter des Einrichtungsträgers Verbesserungsbedarf: „Wünschenswert wäre eine pauschale Finanzierung, wenn eine Einrichtung gewisse Qualitätsstandards im Bereich der Inklusion erfüllt. So könnte viel flexibler auf den Bedarf reagiert werden!“

„Viele Einrichtungsleitungen haben einfach nicht die Zeit, sich mit dem System Inklusion zu beschäftigen. Dazu gehört eben auch viel Planung, Personalgespräche, Elterngespräche und vieles mehr. Auf die Einrichtungsleitungen kommt bei einem inklusiven Ansatz sehr viel zu, was bei der aktuell sehr hohen Auslastung kaum zu bewerkstelligen ist. Dies sehe ich vor allem als Hürde für Einrichtungen, sich inklusiv auszurichten. Die Pauschalfinanzierung und die Vereinfachung des Verfahrens würde hier sicherlich für Abhilfe sorgen“, beschreibt Cornelia Blendinger, Fachberaterin des „Evangelischen KITA-Verbandes Bayern“ im Dekanat, ihre Erfahrungen.

Zander teilte an dieser Stelle mit, dass bereits ein Informationsschreiben des Bezirks an die Einrichtungen in der Region versandt wurde bzw. beim Abschluss einer neuen Leistungs-/Vergütungsvereinbarung versandt wird. Weiter wird gegenwärtig zusammen mit den mittelfränkischen Jugendämtern ein Leitfaden für Kindertageseinrichtungen erarbeitet. Durch solche Maßnahmen kann sicherlich die Aufmerksamkeit auf das Thema gezogen werden und die Möglichkeiten, die dafür existieren, beleuchtet werden. Die Zusammenarbeit zwischen den Einrichtungen und Behörden spielt dabei eine wichtige Rolle, sind sich auch Stefan Lahner und Karin Baumgärtner vom Jugendamt des Landkreises sicher. Allerdings sind auch die Träger und die Kommunen gefragt, den Mehrwert einer inklusiven Einrichtung zu erkennen und ihre Leitungen zu unterstützen.

„Wir in Gunzenhausen sind sehr froh über die Aktivitäten des KiFaZ. Inklusion wird bei uns großgeschrieben. Wir nehmen zum Beispiel an dem Modellprojekt ‚Inklusive Kommune‘ der Lebenshilfe Gunzenhausen und Regens Wagner Absberg teil und haben dabei nur gute Erfahrungen gesammelt. Wichtig bei dem Thema ist, dass alle Beteiligten dahinterstehen. Die Diskussion muss auf allen Ebenen angestoßen werden, also auch im Stadt- und Gemeinderat“, verdeutlichte Bürgermeister Fitz, der gemeinsam mit dem Hauptamtsleiter Klaus Stephan an der Gesprächsrunde teilgenommen hatte.

Am Ende der Gesprächsrunde hat Westphal einen umfangreichen Einblick in die praktischen Herausforderungen im Bereich der Inklusion in Kindertageseinrichtungen erhalten. „Die großen Linien, die zum Beispiel gesetzliche Regelung betreffen, können wir aus unserer Runde heraus natürlich nicht ändern. Doch ist es für mich ein wichtiger Schritt, im Dialog die Herausforderungen zu benennen und einen Ansatz zu finden, wie wir aktiv für unsere Einrichtungen Verbesserungen erreichen können. Dies kann uns sicherlich auch schon mit kleinen Maßnahmen gelingen. Die Ergebnisse der heutigen Gesprächsrunde werde ich der zuständigen Staatsministerin Kerstin Schreyer zukommen lassen. Sehr gerne habe ich die Ministerin auch zu einer nächsten Gesprächsrunde in einer ähnlichen Zusammensetzung eingeladen, um unsere Anliegen zu positionieren. Die Ministerin hat ihr Kommen auch bereits zugesagt. Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch eine inklusive Einrichtung in der Region mit der Ministerin besichtigen“, resümierte Westphal.
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